Intro I – Server für zu Hause

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Ein Beitrag für Einsteiger

Während vor wenigen Jahren der Begriff Server in der breiten Masse der „Verbraucher“ allenfalls als Blackbox von IT-Nerds in irgendwelchen Rechenzentren verstanden wurde, in dem die Inhalte des Internets abgelegt sind, wandelt sich das mit dem Einsatz von Homeservern, Mediacentern, DSL-Router mit Festplattenanschluss und nicht zuletzt den sogenannten NAS (Network Attached Storage). Insbesondere die NAS sind inzwischen schon zu wahren Alleskönnern gewachsen.

So bin auch ich vor wenigen Jahren zu einem Linux-Anwender geworden. Kaum war der erste NAS im Haus, hatte ich ihn auch schon systematisch gehackt. Nicht zerhackt, obwohl ich bei den ersten Schritten mit Linux durchaus manchmal nahe dran war.

Seit 2 Jahren wächst nun auch systematisch eine Raspberry Pi-Generationen heran, die sich zunehmend wieder dem Mikrocontroller hin wendet und damit mit den klassischen Elektronikbastlern (z.B. Arduino-Community) zusammen wächst. Das passt auch mit der Konsumgüterindustrie zusammen, die ebenfalls am Internet der Dinge arbeitet. Der Vorteil dieser Tendenz ist, dass es Neueinsteigern immer leichter gemacht wird, entsprechende Controllerboards in Betrieb zu setzen und ausgehend von Beispielprojekten ihre eigen Projekte umzusetzen.

Die Zahl der Hardware-Platformen für Linux ist hiermit ausgehend vom PC auch in der breiten Masse deutlich gestiegen. Genauso die Zahl der Distributionen.

Möchte man nun einen eigenen Server betreiben, hat man meist folgende grundlegende Optionen: Gemietetes System bei einem Provider oder ein Gerät direkt zu Hause.

Die erste Variante ist, bei einem Provider das entsprechende vorkonfigurierte Software-Produkt zu mieten. Klassisch wird das für die eigene Webseite seit Jahren meist so gemacht. Ebenso bei Blogs, e-Mail oder einer Cloud. Hierbei ist gemeint, dass man nicht auf Betriebssystemebene arbeiten muss und auch nicht darf und die Konfiguration mit entsprechenden Weboberflächen durchführt.

Wer auf diesem Weg seinen passenden Server findet, hat es gut. Denn der administrative Aufwand ist auf das Notwendigste begrenzt, man muss sich keine große Gedanken über Sicherheit machen und muss sich auch nicht um die Hardware kümmern. In der Regel ist die Bandbreite der Anbindung ausgezeichnet.

Nachteil: Man muss sich damit zufrieden geben, was angeboten wird und hat vielleicht ein Kostenproblem, wenn große Datenmengen abgespeichert (oder übertragen) werden sollen. Hier ist zu berücksichtigen, dass man um Backups seiner Daten in der Regel nicht drum ‚rum kommt (vor allem auch zur Sicherheit gegen eigene Fehler), was den erforderlichen Onlinespeicher entsprechend aufbläht. Ein Weg: Einen FTP-Server mit großer Festplatte zu Hause betreiben und dort hin die Backups schieben. Die Möglichkeit, Backupdaten woanders abzulegen, wird oftmals in den Paketen mit angeboten.

Die nächste Stufe ist, sich ebenfalls bei einem geeigneten Provider einen virtuellen Server zu mieten. Hier bekommt man in der Regel eine virtuelle Maschine auf Basis eines klassischen x86-kompatiblen Systems mit root-Rechten. Meist gibt es mit gängigen Serverapplikationen vorkonfigurierte Systeme, die man aber mit den meisten unter Linux bekannten Funktionen erweitern kann. Achtung, nicht immer ist alles möglich. Ob VPN zugelassen ist, sollte man z.B. vorher erfragen. Das gilt auch, wenn man sich den Rechner nicht mit Anderen teilen will, sondern einen sogenannten dedizierten Server mietet. Der ist deutlich teurer, aber man „sitzt“ mit seinem System in einer eigenen Hardware. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen: Für den Hobby-Anwender, der sich seine Daten nicht mit einer sehr großen Community (oder Nutzergruppe) teilen will, ist die Leistungsfähigkeit der virtuellen Systeme ausgezeichnet.

Bei den genannten Möglichkeiten der Miete hat man natürlich einen Nachteil: Die Daten liegen irgendwo, nur nicht zu Hause. Für solche Daten und Dienste, die man (fast) nur zu Hause benötigt, ist ein eigener Server, also als Hardware zu Hause, die bessere Option. Man ist zwar nun auch noch für die Lauffähigkeit der Hardware zuständig, umgeht beim Zugriff aber den Flaschenhals „Internetzugang“. Auf absehbare Zeit gibt es auch noch eine große Zahl von Nutzern, die leider nicht auf üblichen DSL-Speed im zweistelligen MBit/s-Bereich kommen. Und was das Vertrauen in die Provider angeht, wer neben dem Nutzer auch noch regelmäßig mitlesen darf, ist eine weitere Frage, die ein Server zu Hause klar beantwortet.

Ähnlich zu den gehosteten Varianten gibt es hier auch zwei verschieden komplizierte Möglichkeiten:

Der schon oben genannte NAS wird von den Herstellern mit einer Web-Bedienoberfläche ausgerüstet, über die man alle Konfigurationen ausführt und die sich oft auch noch über nachladbare Module um eine ganze Reihe Funktionen erweitern lässt. Kann man mit dem reichhaltigen Angebot an Funktionen leben, ist man mit diesen Geräten gut beraten. Denn die Konfiguration ist um Welten einfacher (und als Anfänger auch sicherer) als ein selbst aufgesetzter Server. Zumal eine große Zahl von gut funktionierender Tools vom Hersteller implementiert werden, die man im Open-Source-Bereich nicht so ohne Weiteres in dem Umfang oder zumindest mit der einfachen Administration findet. Wer über den Preis meckert, sollte Bedenken, dass hier auch Entwicklungsleistung, Zuverlässigkeit der Hardware und Support dahinter stehen.

In der Regel, unter Verzicht auf Support und gegebenenfalls Gewährleistung, kann man sich mit so einem NAS in die Linux-Welt einarbeiten. Z.B. um Funktionen nach eigenen Wünschen anzupassen oder mit einer Open-Source-Lösung zu ersetzen. Das ist ebenfalls eine empfehlenswerte Sache, denn um die Produkte der großen Hersteller hat sich ebenfalls eine rege Community entwickelt. In der Regel lassen sich die Geräte recht leicht hacken und modifizieren. Dann hat man die Möglichkeit, einerseits mit gut gemachten fertigen Applikationen zu leben und die eigenen Ansprüche dann noch oben drauf zu setzen.

Alternativ der schwierigere Weg: Man setze sich einen eigenen Server auf. Es gibt eine ganze Reihe von Nutzungsmöglichkeiten, die von den NAS nicht abgedeckt werden können. Und es gibt einen weiteren Punkt: Hat man schon einen NAS gut durchkonfiguriert mit einer Reihe von Funktionen laufen, geht man natürlich ein Risiko ein, daran weitere Funktionen als Hack zuzufügen, die den bereits laufenden Betrieb nicht einschränken. Wenn dabei erst die Musiksammlung hin ist und man die vielleicht 500 CDs neu einlesen muss, macht man sich bei der Familie sicherlich keine Freunde. Im Allgemeinen ist es meist eine gute Idee, verschiedene Aufgaben auch auf verschiedene Hardware zu verteilen. Fehler sind menschlich. Und wenn man sich nur ein System und damit eine Funktionalität zerschießt, ist das deutlich weniger ärgerlich, als wenn das einzige gute Stück NAS mittels Wiederherstellungsfunktion in den Auslieferungszustand zurückversetzt werden muss.

Man findet noch eine unendliche Menge an weiteren Dingen, die in die Entscheidung für das richtige Serversystem einfließen. Ich möchte es hier sozusagen mit einigen Denkanstößen bewenden lassen. In Folgebeiträgen werde ich die Systeme vorstellen, mit denen ich umgehe oder umgegangen bin. Das ist dann der etwas praktischere Einführungsteil zu diesem noch trockenem und sehr allgemein gehaltenem Beitrag.

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